Ein Experiment: drupalcamp.ruhr goes BarCamp

Teilnehmer fotografieren das Session Board #dcruhr18 an Tag 2 hat jeder das sessionboard fotografiert? #dcruhr18, © Ronald Krentz, twitter1

Ich glaube es war so im Sommer letzen Jahres, als mein Freund und Genosse2 Boris Runte mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, das fünfte DrupalCamp Ruhr 2018 als UnConference bzw. BarCamp (was es soweit mir bekannt noch nicht gegeben hat) mit zu gestalten und den dazugehörigen OpenSpace3 zu halten.

Klar! Ich mag BarCamps, finde Konferenzen mit OpenSpace Technologie wirklich gut und habe schon selbst den ein oder anderen OpenSpace facilitiert4. Richtig gut fand ich die Idee aber, weil uns in der Drupal Community meiner Meinung nach ein Konferenzformat fehlt, in dem noch mehr Partizipation möglich ist und welches sich noch mehr an den Bedürfnissen ihrer Teilgeber orientiert. Nicht zuletzt würde hier durch Diversität, Offenheit und Interaktion der Teilgeber gefördert. Ich hatte echt Lust auf dieses Experiment und wollte da unbedingt mitmachen.

In diesem Artikel möchte ich meine Erfahrungen, Probleme und FuckUps bei der Organisation eines Drupal BarCamps teilen. Altes, Neues und Experimente

Den Willen, neue Wege zu gehen haben wir mit dem Artikel NEU: Jetzt mit Barcamp5 bereits früh auf unserer Webseite kommuniziert. Alle Unklarheiten beseitigt?

Die Idee war es, nicht direkt das klassische Konstrukt des DrupalCamps mit vorselektierten und geplanten Sessions auf einen Schlag wegzulassen, sondern zweigleisig zu fahren und noch den gewohnten Rahmen zu bieten während wir parallel den Raum für die UnConference öffnen.

So haben wir trotzdem Sessionvorschläge über die Website gesammelt und sondiert. Idee war es, daraus eine Art Themen-Parkplatz bzw. -Pool zu bilden aus dem dann Morgens Sessions für den jeweilen Tag von ihrem Themengeber vorgestellt werden. Dies sollte analog zu den spontan eingereichten Anliegen geschehen, welche dann beide auf der leeren Anliegenwand angebracht werden sollten. Es war angedacht, dass die Poolsessions beim Vorstellen den Vorrang bekommen. Zwar nicht dogmatisch Open Space, aber mit dem Ansatz konnte ich gut leben. Und so haben Boris und ich es dann auch nach aussen und innen kommuniziert.

Kurz vor dem Camp wurde dann die Poolsessions doch in einen Zeitplan gebracht. Ein Woche vor dem Camp wurde ich gefragt, ob ich den Open Space auf Englisch facilitieren kann.

Eine Nacht drüber schlafen, der Planänderung mit neuen Ideen begegnen und die Herausforderung annehmen, an Tag 1 fand sich Michael Lenahan6. Es hat mich bei der Einführung in den Open Space unterstützt und an manchen Stellen sehr humorvoll übersetzt - Danke dafür.

explaining open space #dcruhr18explaining open space #dcruhr18, © Ronald Krentz, twitter7

Am zweiten Tag habe ich den Open Space dann alleine auf Englisch eröffnet, was mich etwas Überwindung gekostet hat, wahrscheinlich aus Unsicherheit darüber, vorne zu stehen und sich nicht so eloquent wie in seiner Muttersprache ausdrücken zu können. Aber eigentlich erwartet auch keiner sprachliche Perfektion bei beispielloser Moderation von einem nicht Native-Speaker.

Um letztendlich doch noch etwas Energie und Momentum in den Open Space zu bekommen, habe ich die Speaker gebeten, ihre Sessions vorzustellen und sich auf die Markplatzphase einzulassen, um ggf. ihre Session umzuhängen. Dieses Experiment beruhte betont auf Freiwilligkeit. Zu Absicherung waren auf der Rückseite der Anliegezettel die ursprünglichen Räume/Zeiten notiert, um so einfach wie möglich den ursprünglichen Zustand am Board wieder herstellen zu können.

Open Space Marketplace at #dcruhr18 at day2Open Space Marktplatz, Tag 2, Josef Dabernig, Amazee Labs, CC BY-NC-SA 2.0, flickr8

Für mehr Momentum bei den Code Sprints hat auch die Einladung, wie z.B. UX, Help Desk oder Security der jeweiligen Sprint-Mentoren gesorgt, was sich dann auch am Board in der Lane des Sprintraums reflektiert hat. 

Altbewährt: Das Unperfekthaus in Essen, durchgehend gutes Essen, egal zu welcher Zeit, nicht unwichtig bei einer Veranstaltung ohne explizite Pausen. Zudem einfach ein toller Ort, der mich auch nach mehreren Besuchen immer noch fasziniert.

Feedback: Wir haben für die Möglichkeit gesorgt, dass man uns unkompliziert Feedback geben kann, versucht es umgegend zu beherzigen und sind damit möglichst transparent umgangen, aber dazu unten mehr.

Ein Punkt, den ich durchaus positiv fand, obwohl er wahrscheinlich gar nicht so viel Beachtung erfuhr: Die Verwendung von Namenschilder statt Laynyards. Warum? Weil der Name präsenter ist, ein individueller (meist leserlicher) handgeschriebener Name, kein Verdrehen oder nach unten gucken. Ergo die Möglichkeit einer unmittelbareren Anrede und Kontaktaufnahme ohne Strangulationsgefahr.

Last but not least: T-Shirts, gut, natürlich auch kein Garant, und die hat ja auch fast jedes Camp, aber die DrupalCampRuhr18er Edition ist IMHO das bisher gelungenste Drupal-Shirt ever! 

Feedback

Nicht nur, weil wir etwas Neues etablieren möchten, bei dem ihr, die Teilgeber das wichtigste und der Garant dieser Veranstaltung seid, sondern auch weil wir lernen, anpassen und verbessern wollen, sind wir brennend an eurem Feedback interessiert.

So haben haben wir prominent eine Feedbackwand aufgehängt, aktiv nachgefragt und die Ohren aufgehalten, um zu erfahren, was euch gut gefallen hat und was wir noch verbessern können. Hier einiges was wir aufgegriffen und teilweise direkt umgesetzt haben:

  • Zugänglichkeit des Session Boards aka Anliegenwand: Befand sich an Tag 1 ganz oben. An Tag 2 haben wir das Session Board zentraler in der Nähe des Empfangs plaziert, wo man zwischen den Sessions oder auf dem Weg zum Buffet vorbeikommt.
  • Nachträgliche Änderungen der Anliegenwand: Es können im Laufe des Tages  nachträglich Sessions dazukommen (das ist durchaus gewollt), sich aber auch verschieben oder wegfallen. Solange es der Themengeber macht, ist in meinen Augen Ok, das ist Selbstorganisation.
  • Feste Mittagspause: In kurz NOPE. Deine Zeit und Dein Hunger muss nicht ihr, sein oder mein Bedürfniss sein. Zudem würde das Unperfekthaus IMHO einen Kollaps erleiden, wenn sich alle gleichzeitig zum Buffet auf machen. Hier kommt auch das einzige Gesetz des Open Space zum tragen, das Gesetz der 2 Füße.
  • Barrierefreiheit des Sessionboards: Während wir bei der Zugänglichkeit bereits über eine Synchronisation in Echtzeit via Webcam nachgedacht haben, haben wir nicht daran gedacht, das dieser Weg leider wieder Menschen ausschließt. Eine Idee für die Zukunft wäre eine niederschwellige Editiermöglichkeit innerhalb der Camp-Website, deren Output dann mit einem Screenreader nutzbar ist.

Wir würden uns uns sehr über dein Feedback zum #dcruhr18 freuen, hier kannst du uns weiterhin (auch anonym) Lob, Kritik und Anregungen geben: https://www.drupalcamp.ruhr/de/feedback

An dieser Stelle noch etwas Feedback zum Camp aus dem Äther9

Leon Kerker und Benjamin Krosse zum Camp in ihrem überbit Blogbeitrag zum Camp:

Zwar war das Prinzip des Barcamps – wie oben erwähnt - anfangs noch etwas holprig, doch der Mix aus geplanten und spontanen Sessions machte es letztendlich aus.10

@baddysonja (Baddy Breidert) auf twitter

Thank you @DrupalCampRuhr for a great #dcruhr18 - I really enjoyed the barcamp format11

@textformer (Nicolai Schwarz ) on twitter [sic]

The Barcamp component of #dcruhr18 is working out extermely well.12

@chumillas (Cristina) auf twitter

Thanks to all @DrupalCampRuhr organizers for making it possible. I’ve learned a lot from the barcamp format! #dcruhr1813

@ifrik auf twitter:

Bar camp style at #dcruhr18 gave people the feeling that they are actively shaping this event, instead of passively consuming sessions.14

Barcamp style #dcruhr18 was a great idea. Moving sessions so that they don't clash, and adding sessions based on current discussions. And a venue that it's so diverse that you don't feel like you spend all day at the same place. And coffee at all times.15

Fazit und weitere Gedanken

Die Tatsache, dass das DrupalCamp Ruhr erstmals auf Englisch abzuhalten, war letzendlich einer der Erfolgsfaktoren. Wir hatten internationale Gäste und Speaker. Ich glaube, dass diese Tatsache bereits für mehr Vielfalt und das Gefühl, dass wir eine lebendige und sehr offene Community sind, gesorgt hat.

Die Erklärung der Open Space Regeln und des einen Gesetzes fehlt mir bei den meisten BarCamps. In meinen Augen sollte man es immer wiedergeben. Es kann nicht Schaden dieses mantraartig zu tun. Ich habe auch etwas länger gebraucht, bis ich das eine Gesetz befolgen konnte.

Wie oben gefragt: Alle Unklarheiten beseitigt? Scheinbar nicht, ich habe mich immer mit Boris konspirativ zu diesem BarCamp-Open-Space-Ding ausgetauscht, mich aber sonst aus der Organisation rausgehalten (Ich facilitiere ja nur...). Und kurz vor dem Camp hat Boris die Grippe erwischt. Jaja, die liebe Kommunikation, wer hätte das gedacht... 

Wir sind alle trotz der kleinen Anlaufschwierigkeiten wirklich sehr zufrieden, nicht nur mit der Einführung des BarCamps, sondern mit der gesamten Veranstaltung. Ich muss zugeben, dass es mich mit einer großen Zufriedenheit erfüllt hat, zu sehen, dass das Format an Tag 2 so richtig angenommen wurde. Es wurden Anliegen vom Vortag weiter diskutiert und bearbeitet. Es kamen so viele Themen zusammen, dass am Sonntag nur 3 Slots am Board frei blieben. Ich glaube, oben auf dem Teaserbild einen zufriedenen Boris zu sehen, der ebenfalls von dem Momentum und der Energie an Tag 2 positiv überwältigt ist.

44 Sessions at #dcruhr18 - Highscore! - and special thanks to @MonaMuelder for that beautiful handwriting44 Sessions at #dcruhr18 - Highscore! - and special thanks to @MonaMuelder for that beautiful handwriting, Boris Runte, twitter16

Ich würde gerne noch ein Stück weiter gehen und bei einem zukünftigen DrupalCamp, versuchen, nicht mehr zweigleisig zu fahren, was aus meiner Sicht auch eine Klassifizierung von Anliegen/Sessions/Themen bedeutet. Viel mehr würde ich ganz auf das Format des Open Space setzen, bei dem wirklich nur der grobe Rahmen wie an den jeweilgen Morgen die gemeinsame Sessionplanung für den Tag vorgegeben ist. Hierbei bekommt jedes Anliegen den gleichen Raum. 

An der Menge an Themen sollte es jedenfalls nicht liegen. Wir hatten wesentlich mehr Einreichungen von Sessions, als wir angenommen und schlussendlich verplant haben. BarCamp Sessions kamen in ungefähr gleicher Relation noch dazu. Ich denke, dass es auch ohne unsere Vorselektion, Planung, was in meinen Augen eine unötige Art der Bevormundung ist, klappen kann. Ich glaube wirklich, dass man die Planung der Sessions selbstorganisiert in eure Händen legen kann.

Ich sehe jedenfalls mehr eigene Einflussnahme, mein Anliegen in einem Open Space einzubringen, anstatt zu hoffen, dass ich es durch eine von anderen getroffene Vorauswahl schaffe. Einen Schritt muss ich für mein Anliegen in beiden Fällen ja eh tun.  

Was meint ihr?

Tags in „Ein Experiment: drupalcamp.ruhr goes BarCamp”

RSS Feed

Inhalt abgleichen